Der Schauspieler
Charles Brauer liest Kriminalgeschichten
Zu "makellosen
Morden" passt Chianti
08.09.2003
Von Constance Röhl
Tel.: (0 64 41) 95 95 95
E-Mail:c.roehl@mail.mittelhessen.de
Aßlar. "Erlesene Verbrechen und makellose Morde" - darin
kennt sich Charles Brauer aus. Der 68-jährige Schauspieler ermittelte
als Kommissar Brockmöller in 38 Tatort-Folgen Mörder und Motive.
Der richtige Mann also, um dem elften mittelhessischen Kultursommer
einen schaurig-schönen Abschluss zu geben. Charles Brauer las am
vergangenen Samstag, begleitet vom Diabelli Trio, Kriminalgeschichten.

Mit "makellosen Morden und erlesenen Verbrechen" kennt er
sich aus: "Kommissar" Charles Brauer. (Foto: Röhl)
Auch das Wetter bemühte sich, zur Stimmung beizutragen. Ab 19 Uhr
wurde es schaurig-regnerisch. Kurzerhand zogen Rezitator, musikalische
Begleitung und 220 Zuschauer vom Schlosshof Werdorf in die Stadthalle
Aßlar um.
Dort zeigte Charles
Brauer Organisationstalent. Er dirigierte Ton und Licht, probierte hier,
testete da. Erst als alles so war, wie er es für gut befand, ging
er hinter die Bühne. "Jetzt verschwinde ich und Sie tun so,
als hätten Sie mich noch nie gesehen", sagte er. Abgemacht.
Warmer Applaus brandete für den bekannten Tatort-Kommissar auf,
als er zusammen mit dem Diabelli Trio um 19.55 Uhr in das Scheinwerferlicht
trat.
Der Chianti floss
mit dem typischen vollen Glucksen ins Glas vor Charles Brauer, als das
Diabelli Trio das Publikum mit Tangomusik des Argentiniers Astor Piazolla
einstimmte. Seit 1979 treten Willy Freivogel (Querflöte), Thomasz
Zochowski (Viola) und Siegfried Schwab (Gitarre) zusammen auf. Mehrmals
schon haben sie den Berliner Schauspieler auf Lesungen begleitet.
Brauer begann mit
einer Kurzgeschichte des "großen" Edgar Allan Poe. Mit
einer "Stimme zum Dahinschmelzen und Ausstrahlung zum Niederknien",
wie eine ältere Dame aus Dillenburg fand, las er "Das Fass
Amontiado", eine Geschichte von gutem Wein und perfektem Mord.
Das "Motiv"
für die Lesungen ist für den 68-Jährigen klar. "Lesen
und Geschichten erzählen gehört für mich zum Beruf des
Schauspielers dazu", sagte er. Bereits an die 30 Hörbücher
- überwiegend aus dem kriminalistischen Milieu - habe er gesprochen.
Die Nachfrage sei da und vor allem mache es ihm Spaß, sagte Brauer.
Nach Edgar Allen
Poe reihten sich auch Bert Brecht und Patricia Highsmith - die Grand
Dame der Kriminalliteratur - in die Auswahl des Schauspielers ein. Charles
Brauer hatte die Geschichten ganz nach seinem Stil ausgesucht. Keine
Spur von schrecklichen Morden, blutverschmierten Messern und verstümmelten
Leichen. Statt dessen zogen die vier Kurzgeschichten die Zuschauer in
der ausverkauften Aßlarer Stadthalle mit feinsinnigem Witz, unterschwelliger
Gefahr und manchmal überraschendem Ende in ihren Bann - zweieinhalb
Stunden lang.