Der Schauspieler Charles Brauer liest Kriminalgeschichten

Zu "makellosen Morden" passt Chianti

08.09.2003

Von Constance Röhl
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Aßlar. "Erlesene Verbrechen und makellose Morde" - darin kennt sich Charles Brauer aus. Der 68-jährige Schauspieler ermittelte als Kommissar Brockmöller in 38 Tatort-Folgen Mörder und Motive. Der richtige Mann also, um dem elften mittelhessischen Kultursommer einen schaurig-schönen Abschluss zu geben. Charles Brauer las am vergangenen Samstag, begleitet vom Diabelli Trio, Kriminalgeschichten.


Mit "makellosen Morden und erlesenen Verbrechen" kennt er sich aus: "Kommissar" Charles Brauer. (Foto: Röhl)


Auch das Wetter bemühte sich, zur Stimmung beizutragen. Ab 19 Uhr wurde es schaurig-regnerisch. Kurzerhand zogen Rezitator, musikalische Begleitung und 220 Zuschauer vom Schlosshof Werdorf in die Stadthalle Aßlar um.

Dort zeigte Charles Brauer Organisationstalent. Er dirigierte Ton und Licht, probierte hier, testete da. Erst als alles so war, wie er es für gut befand, ging er hinter die Bühne. "Jetzt verschwinde ich und Sie tun so, als hätten Sie mich noch nie gesehen", sagte er. Abgemacht. Warmer Applaus brandete für den bekannten Tatort-Kommissar auf, als er zusammen mit dem Diabelli Trio um 19.55 Uhr in das Scheinwerferlicht trat.

Der Chianti floss mit dem typischen vollen Glucksen ins Glas vor Charles Brauer, als das Diabelli Trio das Publikum mit Tangomusik des Argentiniers Astor Piazolla einstimmte. Seit 1979 treten Willy Freivogel (Querflöte), Thomasz Zochowski (Viola) und Siegfried Schwab (Gitarre) zusammen auf. Mehrmals schon haben sie den Berliner Schauspieler auf Lesungen begleitet.

Brauer begann mit einer Kurzgeschichte des "großen" Edgar Allan Poe. Mit einer "Stimme zum Dahinschmelzen und Ausstrahlung zum Niederknien", wie eine ältere Dame aus Dillenburg fand, las er "Das Fass Amontiado", eine Geschichte von gutem Wein und perfektem Mord.

Das "Motiv" für die Lesungen ist für den 68-Jährigen klar. "Lesen und Geschichten erzählen gehört für mich zum Beruf des Schauspielers dazu", sagte er. Bereits an die 30 Hörbücher - überwiegend aus dem kriminalistischen Milieu - habe er gesprochen. Die Nachfrage sei da und vor allem mache es ihm Spaß, sagte Brauer.

Nach Edgar Allen Poe reihten sich auch Bert Brecht und Patricia Highsmith - die Grand Dame der Kriminalliteratur - in die Auswahl des Schauspielers ein. Charles Brauer hatte die Geschichten ganz nach seinem Stil ausgesucht. Keine Spur von schrecklichen Morden, blutverschmierten Messern und verstümmelten Leichen. Statt dessen zogen die vier Kurzgeschichten die Zuschauer in der ausverkauften Aßlarer Stadthalle mit feinsinnigem Witz, unterschwelliger Gefahr und manchmal überraschendem Ende in ihren Bann - zweieinhalb Stunden lang.




 
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